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Arm und Reich am Niederrhein |
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Reicher Mann und armer Mann |
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Die Globalisierung ist ein Umbruch von historischen Dimensionen. Sie verändert die Gesellschaft mit enormem Tempo und greift tief in unsere Lebensbedingungen ein. Sie wird bisher einseitig von mächtigen Wirtschaftsinteressen dominiert, von großen Banken, Investmentfonds, Transnationalen Konzernen und anderen großen Kapitalbesitzern. Ihr Leitbild ist der Neoliberalismus. Nach dieser Ideologie lassen sich die gesellschaftlichen Probleme am besten lösen, wenn man sie dem Markt und den Privatunternehmen überlässt. Das neoliberale Versprechen, die Globalisierung bringe Wohlstand für alle, hat sich jedoch nicht erfüllt, im Gegenteil:
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Aus: Attac-Erklärung für eine demokratische Kontrolle der Finanzmärkte |
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Armutsquoten NRW 2007, PARITÄTISCHE FORSCHUNGSSTELLE |
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Reich und Arm im Kreis Wesel Extreme Einkommens-Verteilung im Kreis Wesel (Mai 2011) In wenigen Jahren verdoppelten sich die Einkommens-Millionäre. Der Anteil des unteren Drittels am Gesamteinkommen sank unter 4 Prozent. Zwei Ergebnisse der neuen Zahlen zur Einkommens-Verteilung im Kreis Wesel, die das globalisierungskritische Bündnis ATTAC-Niederrhein vorstellt und analysiert. Vorbemerkung: Die Zahlen des NRW-Landesamtes für Statistik zur Einkommensverteilung stellen keine Stichprobe oder Umfrageergebnisse dar, sondern beruhen auf den Daten der Finanzämter. Diese Zahlen aufzubereiten ist sehr aufwändig, weshalb deren Veröffentlichung nur alle vier Jahre rückwirkend erfolgt. Die vorliegende Untersuchung betrachtet das Steuerjahr 2007. Die Zahlen sind Bruttoangaben und enthalten alle maßgeblichen Einkommensarten. Das erfasste Gesamteinkommen im Kreis Wesel für das Steuerjahr 2007 betrug 6,8 Milliarden Euro, dass sich auf 210tausend Steuerpflichtige aufteilte. Das statistische Jahresdurchschnitts-Einkommen ergab einen Wert von etwa 32.000 Euro. |
Die tatsächliche Verteilung der Einkommen stellt sich als extrem ungleich dar, siehe beigefügte Grafik als Anlage: Die beiden höchsten Einkommensklassen (ab 500.000 Euro Jahres-Einkommen) repräsentierten mit 229 Steuerpflichtige 0,1 Prozent aller Steuerpflichtigen. Diese 229 erzielten in Summe ein höheres Einkommen als 58.461 Steuerpflichtige der beiden niedrigsten Einkommensklassen. Diese repräsentieren 27,7 Prozent aller Steuerpflichtigen. Die Spitzenverdiener bilden die Einkommens-Millionäre. Innerhalb von sechs Jahren erhöhte sich deren Zahl im Kreis Wesel von 49 auf 70. Ihr durchschnittliches Einkommen belief sich auf 2 Millionen Euro, ihr Gesamteinkommen auf 143,7 Millionen Euro. Der Vergleich mit den Daten der Jahre 2001 und 2004 zeigt eine grundlegende Tendenz auf: Die mittleren Einkommen verlieren an Bedeutung. Die niedrigen Einkommensbezieher wachsen stark an. Ebenso wie die höheren Einkommen, wobei vorwiegend hier nicht die absolute Zahl der Steuerpflichtigen stark ansteigt, sondern eher das Volumen des erzielten Einkommens. Ansprechpartner für dieses Presseinfo: Ingo Kübler | ingo-kuebler@t-online.de | 0151 - 161 44 5 77 |
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Armut der Asylbewerber In Deutschland gibt es wahrscheinlich die besten Gesetze der Welt, zumindest das beste Grundgesetz, aber nicht für alle. Vorige Woche war ich mit einem kurdischen Ehepaar aus dem Irak vor dem Amtsgericht in Emmerich. Das Ehepaar war vor einigen Wochen zum Verwaltungsgericht nach Düsseldorf in ihrer Asylangelegenheit geladen. Sie konnten den Fahrkartenautomaten am Bahnhof nicht bedienen und auch niemanden fragen, da sie noch kein Deutsch sprechen. Sie stiegen in den Zug und hielten das Geld in der Hand. Der Kontrolleur wollte das Geld nicht; er schrieb 2 Strafzettel je 40 €. Später, von zu hause aus, liehen sie sich Geld und zahlten die 80 €. Danach kam ein Strafbefehl vom Amtsgericht Emmerich über 1.000 € Strafe wegen Erschleichung von Leistungen in böswilliger Absicht: sie hätten von vornherein nicht die Absicht gehabt zu zahlen. Mit Hilfe der Dolmetscherin konnte der Sachverhalt aufgeklärt werden. Die Richterin fragte, warum sie kein Deutsch lernen. Ich meldete mich zu Wort: Sie erhalten Lebensmittel + 40 € im Monat, davon kann man keinen Sprachkurs bezahlen + Bücher und Fahrtkosten nach Wesel. Die Angelegenheit wurde eingestellt. Wir bedankten uns bei der Richterin. Frage: Warum wurden die Leute angeklagt? Sie waren ja schon bestraft mit 2x 40 €. Bei Deutschen habe ich so was noch nicht erlebt. In der Asylbewerberunterkunft in Rees gibt es Lebensmittel nach dem Punktesystem: jedes Lebensmittel hat einen bestimmten Wert in Punkten, jeder Asylbewerber hat ein festes Punktkontingent pro Woche. Alleinstehende junge Männer sagen mir unabhängig voneinander: Das Essen, was es 1x pro Woche gibt, ist zu wenig. Nach 2 Tagen haben sie schon fast alles aufgegessen und hungern. Sie hängen sich meist an Familien oder Kollegen im Lager und Fragen nach Lebensmitteln. Ich habe sie mit der Tafel in Rees in Verbindung gebracht. 40 € erhalten sie im Monat, das geht meist für Hygieneartikel + persönliche Dinge drauf. Wer raucht, hat Pech, nicht selten habe ich mit Leuten mit Selbstmordabsichten zu tun. Ich bezahle selbst für Leute, die ohne Fahrausweis erwischt werden, um Freunde zu besuchen, oder weil sie den Regierungsbezirk Düsseldorf verlassen haben, weil der einzige Mensch, den sie kennen, in Köln lebt. Dazu muß man sich beim Ausländeramt Kleve eine Genehmigung holen. |
Ich handle ständig wegen Zahlungsbedingungen, bitte um Einstellung von Verfahren, bitte um kleine Raten. Asylbewerber dürfen kein Konto einrichten, so lasse ich Zahlungen über mein Konto laufen. Die Asylbewerber haben Angst, wenn sie nicht zahlen, könnte es sich negativ auf ihr Asylverfahren auswirken. Also zahle ich für sie. Bei der Caritas in Rees kann ich Anträge auf Beihilfe stellen. Über den Antrag wird durch eine Gruppe entschieden, diese lehnt solche Anträge oft ab: sie sollen nicht schwarz fahren, sie sollen sich integrieren. Auch dort erlebe ich oft kein Problembewußtsein. Die Asylbewerber müssen ein Asylverfahren betreiben: Mit 40 € im Monat ist das sehr schwierig. Zum Glück gibt es Rechtsanwälte, Idealisten, die für kleine Monatsraten das Asylverfahren durchführen. Prozesskostenhilfe gibt es für Asylverfahren nicht. Wenn der Fachanwalt für ein bestimmtes Land, z.B. Sri Lanka, in Hagen wohnt, muß man zuvor zum Ausländeramt Kleve fahren, um eine Genehmigung zum Verlassen des Regierungsbezirks Düsseldorf zu beantragen. Die Fahrtkosten nach Kleve sind dann zu zahlen und die Fahrtkosten nach Hagen. Wir haben hier einen guten Mann aus Sri Lanka, der für seine Landleute fährt glücklich, wer Familienangehörige oder Freunde in Deutschland hat. Wenn man einen Antrag auf Übernahme der Kosten bei der Caritas stellt, möchten sie gerne wissen, ob eine Chance besteht, Asyl zu erhalten. Man möchte nicht umsonst Geld ausgeben. Also bezahle ich oft selbst oder frage bei guten Leuten um Spenden. Bei der Tafel oder bei der Kleiderkammer soll man auch einen kleinen Betrag entrichten. Mit 40 € kommt man nicht weit. Jetzt für den Winter werden warme Kleidung und dicke Steppdecken benötigt, zweite Decken gibt es nicht... So verhandle ich auch bei der Tafel oder der Kleiderkammer um kleine Preise. Anerkannte Asylbewerber kommen immer noch zu mir zum Ausfüllen von Formularen: Sozialhilfeanträge, Anträge fürs Arbeitsamt, Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung, Anträge auf Kindergeld, Familienzuschlag, Freistellung von Zuzahlung bei der AOK. Es fehlen Menschen für solche Hilfestellungen, auch das ist Armut.
Marga Roth ist Pastoralreferentin in Rente und engagiert sich seit 13 Jahren ehrenamtlich für Asylbewerber in Rees im Rahmen der CaritasArbeitskreises „Fremde werden Freunde“ |
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Reich und Arm im Kreis Wesel Die Spaltung der Gesellschaft wird feudal Das globalisierungskritische Bündnis ATTAC Niederrhein analysiert
anhand der neusten Zahlen die Verteilung der Einkommen im Kreis
Wesel. Das Ergebnis ist, dass auch im Kreis Wesel die Schere
zwischen Reich und Arm größer wird: Etwa 600 Reiche im Kreis Wesel
haben zusammen ein Jahreseinkommen von knapp 300 Millionen Euro,
dass bedeutet ein Ø - Jahreseinkommen von 471.000 € für jeden! Auf
der anderen Seite teilen sich in den unteren drei Einkommensklassen
sprich 68.000 Arme und Geringverdiener die gleiche Summe, dass
bedeutet ein Ø - Jahreseinkommen von zirka 4.500 €. In der untersten
Einkommensklasse sind die Gesamteinkünfte sogar negativ (siehe
Grafik als
Anlage von ATTAC Niederrhein zusammengefasst)! Die dreitausend oberen Einkommensbezieher im Kreis
Wesel summierten ihre Einkommen im Jahr 2004 auf zusammen
700.000.000 € (700 Mill.) Auf der anderen Seite der Einkommenswelt
sieht es ganz anders aus: Zehntausende Steuerpflichtige im Kreis
Wesel verdienen wenig oder gar nichts. |
Selbst in den mittleren Einkommensklassen ist das statistische Gesamteinkommen zwar hoch - aber verteilt auf die große Masse der Steuerpflichtigen wiederum sehr gering. Besonders im Vergleich zu den beiden oberen Einkommensklassen, die ein mehrfaches an Einkommen haben. Dazu ein Kommentar von Klaus Kubernus-Perscheid (ATTAC Niederrhein):
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Reich und Arm im Kreis Kleve Spaltung der Gesellschaft noch extremer als im Kreis Wesel Das globalisierungskritische Bündnis ATTAC Niederrhein analysiert anhand der neusten Zahlen die Verteilung der Einkommen im Kreis Kleve. Das Ergebnis ist, dass auch am linken Niederrhein die Schere zwischen Reich und Arm zunehmend größer wird, d.h. zwei gesellschaftliche Gruppen wachsen: sehr Reiche und sehr Arme. Bemerkenswert ist, dass die Extreme zwischen Arm und Reich im Kreis Kleve noch extremer sind als im Kreis Wesel. Die vorgelegten Zahlen unterstreichen auch die Notwendigkeit der Initiative für ein „Sozialticket Niederrhein.“[siehe auch die Grafik als beigefügte Anlage!] Vorbemerkung: Die aktuell vorliegenden Daten zur Einkommensentwicklung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik stellen keine Stichprobe oder Hochrechnung dar, wie die aktuell viel diskutierten Armut- und Reichtumsberichte, sondern beruhen auf die tatsächlichen Daten der Finanzämter. Die Aufbereitung dieser Daten ist zwar sehr aufwändig, dafür aber besonders verlässlich. Insbesondere auch, weil bei der aktuellen Auswertung für das Jahr 2004 erstmalig die sog. Elektronischen Lohnsteuerbescheinigungen erfasst werden konnten, d.h. die berücksichtigte Zahl der Steuerpflichtigen konnte erweitet, deren Angaben präziser ermittelt werden. Genauere oder aktuellere Daten liegen im Moment nicht vor. Die Daten sind als Bruttoangaben zu verstehen und stellen die Summe der sieben maßgeblichen Einkommensarten dar (Einkünfte aus selbständiger und nichtselbständiger Arbeit, Einkünfte aus Kapitalvermögen, aus Mieten und Pachten, aus Gewerbebetriebe, aus Land- und Forstwirtschaft und Spekulationsgewinne). Die Einkommen im Kreis Kleve sind dramatisch ungleich verteilt. Während am unteren Ende 7.365 Steuerpflichtige ein Jahreseinkommen von minus 25 Millionen € haben, summieren sich am oberen Ende als Jahreseinkommen 214 Millionen € auf 366 Superreiche. |
Im Durchschnitt berechnet bedeutet dies, dass in der untersten Einkommensklasse das Jahreseinkommen bei minus 3.497 € liegt, in der obersten Einkommensklasse bei plus 584.456 Euro! Selbst wenn man die unteren drei Einkommensklassen zusammenzählt, sprich das Jahreseinkommen von 43.422 Arme und Geringverdiener, ist das addierte Einkommen der lediglich 366 Superreichen fast dreimal so hoch. Erstaunlich ist auch, dass im Kreis Kleve die Superreichen durchschnittliche nochmals 100.000 € mehr Jahreseinkommen haben als die gleiche Gruppe im Kreis Wesel. Das durchschnittliche negative Einkommen der Armen im Kreis Kleve ist nochmals um 1.500 € negativer als das der vergleichbaren Gruppe im Kreis Wesel. Aber selbst in den mittleren Einkommensklassen ist das statistische Gesamteinkommen zwar hoch, aber verteilt auf die große Masse der Steuerpflichtigen im Schnitt gesehen wiederum sehr gering. Hierbei unterscheiden sich die Zahlen zum Kreis Wesel nur marginal (alle Daten zum Kreis Wesel auf www.attac-niederrhein.de - Klick auf „Niederrhein global“). Dazu ein Kommentar von Klaus Kubernus-Perscheid (ATTAC Niederrhein): Ansprechpartner für dieses Presseinfo: Ingo Kübler | ingo-kuebler@t-online.de | 0151-16144577
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Letzte Bearbeitung: 03.08.2011
