Verkehrswende am Niederrhein - Bürgernah, bezahlbar, klimafreundlich!

Hintergrund

Am Niederrhein gibt es im Bereich Verkehr Probleme, die dringend gelöst werden müssen.

Klimakrise


Kreis Wesel: CO2-Emissionen 2013 nach Sektoren
(Quelle: ECOSPEED Region, Endbilanz April 2015).

Individualverkehr ist klimaschädlich

Die CO2 -Emissionen aus dem Verkehrssektor haben im Kreis Wesel mit ca. 34% den größten Anteil an den Gesamtemissionen. Jährlich werden 1,3 Mill. Tonnen CO2 aus dem Auspuff in die Luft geblasen. Verantwortlich zeichnet mit 61% der motorisierte Individualverkehr (Pkw und Motorräder). An zweiter Stelle mit ca.25% liegt der Straßengüterverkehr.

Öffentlicher Personen Nahverkehr


Fahrplan in Wesel

 

Zu wenig Busse

Das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist im Kreis Wesel insbesondere an Wochenenden oder in der Woche nach 20 Uhr mehr als dürftig. Und es wurde jüngst weiter eingeschränkt. Anruf-Sammeltaxis sollen jetzt Busse ersetzen.

Ticketpreise


Samstagmorgen in der Weseler Innenstadt (Preußen Museum)

 

Busse und Bahnen sind zu teuer

Eine einfache Fahrt von Wesel nach Duisburg kostet 12,80 €. Mehr als 45% der Beschäftigten im Kreis Wesel arbeiten in Teilzeit oder Leiharbeit oder sind geringfügig beschäftigt. Viele Menschen empfinden die Preise für den ÖPNV als Zumutung. Busse bleiben daher an Wochenenden oftmals leer.

Ausgrenzung


VRR Sozialticket Preis - Regelsatzentwicklung in %

ÖPNV grenzt Arme aus

Mehr als 50.000 Menschen im Kreis Wesel, die von Transferleistungen leben müssen, werden am Recht auf Mobilität gehindert. Im VRR werden derzeit 38,65 € für ein Sozialticket verlangt. In den Regelsätzen für Hartz IV – Betroffene werden aber nur 28,39 € ausgewiesen. Wie kann es sein, dass Menschen 9,1 % ihres Einkommens für ein Ticket ausgeben müssen, mit dem sie am Wochenende nicht einmal ihre/n EhepartnerIn mitnehmen dürfen. Hinzu kommt, dass die Reichweite des Tickets gerade in einem ländlich geprägten Kreis wie Wesel nicht ausreicht. Während die meisten Menschen in unserem Land mit einem günstigen Flugticket um die halbe Welt reisen können, kommen arme Menschen mit einem teuren VRR-Sozialticket nicht über ihren Landkreis hinaus. Arbeitsstellen, Freunde oder nächste Verwandte in Oberhausen oder Duisburg bleiben für sie unerreichbar.

Fazit

Der real existierende ÖPNV bietet derzeit keine angemessene Antwort auf Klimawandel, Mobilitätsanforderungen und wachsender Armut. Wir meinen, dass es Zeit wird, daran etwas zu ändern.

Wir brauchen eine Verkehrswende: Bürgernah, bezahlbar, klimafreundlich!


Im Zusammenhang mit dem Vortrag "Wie schaffen wir die Verkehrswende am Niederrhein" von Prof. Heiner Monheim am 20.11.2019 in Rheinberg entstanden die Rheinberger Thesen zur Verkehrswende am Niederrhein. Ein breites Bündnis von Veranstaltern will damit eine Diskussion am Niederrhein anstoßen und daran weiterarbeiten.

Zum Kreis der Veranstalter gehörten: ADFC Rheinberg, attac-Niederrhein, Bündnis Sozialticket NRW, BUND, BI Saubere Luft, Der Paritätische Kreis Wesel/Kleve, Evangelische Akademie im Rheinland, Kath. Kirchengemeinde St. Peter, Klimabündnis Niederrhein, Klimatisch Rheinberg, Stadt Rheinberg, Neues Evangelisches Forum Kirchenkreis Moers, laboratorium - Evangelisches Zentrum für Arbeit, Bildung und betriebliche Seelsorge, VdK KV Niederrhein


Rheinberger Thesen
Zukunft der Mobilität – Bürgernah, bezahlbar und klimafreundlich!

Der derzeit existierende Verkehrssektor am Niederrhein bietet keine angemessene Antwort auf die aktuell wichtigen Fragen wie Klimawandel und wachsende Armut.
Um das Verkehrssystem zukunftsfähig zu machen, bedarf es einer grundsätzlichen Umorientierung. Die zukünftige Mobilität muss sich an weniger fahrenden und parkenden PKW und LKW orientieren. Die Bereiche Rad- und Fußverkehr sowie der öffentliche Nahverkehr müssen massiv ausgebaut und effizienter und kundengerechter gestaltet werden. Wir brauchen mehr Mobilität bei gleichzeitiger Verminderung von Motorisiertem Individualverkehr!


Das bedeutet für den öffentlichen Nahverkehr:
- In den Städten und Gemeinden müssen Stadtbussysteme etabliert werden, die die Menschen schnell und zuverlässig transportieren. Der Busverkehr muss Vorrang gegenüber dem Individualverkehr haben.
- Fahrpläne müssen verdichtet und zeitlich bis in die späten Abendstunden an allen Wochentagen ausgeweitet werden.
- Buslinien, die verschiedene Städte innerhalb eines Kreises miteinander verbinden, müssen so ausgebaut werden, dass an allen Tagen der Woche halbstündlich ein Busverkehr garantiert werden kann.
- Busse, die mit Diesel betrieben werden, müssen schnellstmöglich, spätestens jedoch bis 2030, durch Busse mit klimafreundlichen Antrieben ersetzt werden
- Die komplizierten Tarifsysteme müssen durch ein einfach zu durchschauendes und bürgerfreundliches System für den Nahverkehr ersetzt werden.
- Für den Nahverkehr brauchen wir ein attraktives und kostengünstiges Jahresticket (z.B. 365 € Ticket)
- Die Preise für Mobilität müssen so gestaltet sein, dass die Teilhabe aller Menschen, gleich welcher sozialen Schicht sie angehören, an der Mobilität sichergestellt wird.
- Mobilität im öffentlichen Nahverkehr muss sich an den Bedürfnissen der Schwächsten (Behinderte, ältere Menschen) orientieren. Barrierefrei gestaltete Zugänge zu Bussen und Bahnen sowie Fahrkartenautomaten müssen eine Selbstverständlichkeit sein. Mobilität ist Teil der Daseinsvorsorge und darf nicht von Profitinteressen beeinträchtigt werden!
- Der Umbau des öffentlichen Nahverkehrs darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Tarifflucht und Outsourcing müssen verhindert werden.

Das bedeutet für den Radverkehr:
- Zwischen den Städten und Gemeinden müssen direkte und kreuzungsfreie Radwegwege abseits der Hauptverkehrsstraßen entstehen. Dort, wo diese Radwege fehlen, wird für den Autoverkehr ein Tempolimit von 70 km/h festgelegt
- Innerstädtische Radwege müssen ausgebaut und verbreitert werden.
- Das Bike-Sharing wird durch die Kommunen massiv gefördert.
- Die Mitnahme von Fahrädern in Bussen und Bahnen muss gewährleistet werden.
- Städte und Gemeinden stellen Lastenräder kostenlos zur Verfügung. (z.B. an Radstationen)

Das bedeutet für den Schienenverkehr:
- Umbau der bisher immer noch mit Diesel betriebenen Linien mit umweltfreundlichen Antrieben.
- Wiederherstellung und Ausbau von Bahnverbindungen

Das bedeutet für den Fußverkehr:
- Fahrbahnen und Parkplätze müssen in den Innenstädten massiv reduziert werden, damit wieder Räume den Menschen zurückgegeben werden können und Pflanzen das Klima in der Stadt verbessern.
- In den Innenstädten müssen die autofreien Flächen erweitert werden, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und die Stadt wieder zu einem Ort der sozialen Begegnung zu machen.
- Einrichtung von gemeinsamen Verkehrsräumen (Shared Space), in der Verkehrsteilnehmer vollständig gleichberechtigt werden.

Das bedeutet für den Individualverkehr:
- Da fast alle Sicherheits- und Emissionsprobleme geschwindigkeitsabhängig sind, muss Tempo 30 als generelle Höchstgeschwindigkeit innerorts, Tempo 80 auf Landstraßen und Tempo 130 auf Autobahnen festgelegt werden.
- Innerorts gibt es ein flächendeckendes Überholverbot für alle Autos.
- Das Gehwegparken wird generell dort untersagt, wo nicht mindestens 2,50 m Restbreite dem Fußverkehr zur Verfügung steht.
- Das E-Car-Sharing muss durch die Kommunen massiv gefördert werden.
- Pendler- und Mitfahrbörsen müssen durch die Kommunen organisatorisch unterstützt werden.

Rheinberg, 20. November 2019

Die Thesen gibt es hier!