Projekt: Niederrhein Global

Auswirkungen der Globalisierung auf die Region Niederrhein

Mit dem Projekt "Auswirkungen der Globalisierung auf die Region Niederrhein" wollen wir versuchen, die durch die neoliberale Globalisierung hervorgerufenen Veränderungen unseres Lebens am Niederrhein zu beschreiben. Unter dem Begriff der neoliberalen Globalisierung verstehen wir einen Prozess, "der die Tendenz hat, Selbstversorgungswirtschaften zu zerstören, um globale Märkte und abhängige Konsumenten zu schaffen" (AWWO-Papier, ATTAC). Anhand von Einzelbeispielen wie etwa die Auseinandersetzungen um die Arbeitsplätze bei Siemens in Kamp-Lintfort und Bocholt oder die Standortschließung der Bundeswehr in Emmerich wollen wir die Hintergründe recherchieren und dokumentieren. Mit der Dokumentation, die in einem Reader zusammengefasst und im Internet veröffentlicht werden soll, wollen wir einen Diskurs um demokratische Handlungsperspektiven anstoßen. Interessenten die Spaß daran haben Literaturrecherchen anzufertigen, Texte und Grafiken zu layouten oder mitzudiskutieren sind ausdrücklich herzlich willkommen!

Reich und Arm im Kreis Wesel

Die Spaltung der Gesellschaft wird feudal

Das globalisierungskritische Bündnis ATTAC Niederrhein analysiert anhand der neusten Zahlen die Verteilung der Einkommen im Kreis Wesel. Das Ergebnis ist, dass auch im Kreis Wesel die Schere zwischen Reich und Arm größer wird: Etwa 600 Reiche im Kreis Wesel haben zusammen ein Jahreseinkommen von knapp 300 Millionen Euro, dass bedeutet ein Ø - Jahreseinkommen von 471.000 € für jeden! Auf der anderen Seite teilen sich in den unteren drei Einkommensklassen sprich 68.000 Arme und Geringverdiener die gleiche Summe, dass bedeutet ein Ø - Jahreseinkommen von zirka 4.500 €. In der untersten Einkommensklasse sind die Gesamteinkünfte sogar negativ (siehe Grafik als Anlage von ATTAC Niederrhein zusammengefasst)!

Vorbemerkung:
Die aktuell vorliegenden Daten zur Einkommensentwicklung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik stellen keine Stichprobe dar, sondern beruhen auf die tatsächlichen Daten der Finanzämter. Die Aufbereitung dieser Daten ist zwar sehr aufwändig, dafür aber besonders verlässlich. Insbesondere auch, weil bei der aktuellen Auswertung für das Jahr 2004 erstmalig die sog. Elektronischen Lohnsteuerbescheinigungen erfasst werden konnten, d.h. die berücksichtigte Zahl der Steuerpflichtigen konnte erweitet, deren Angaben präziser ermittelt werden. Genauere oder aktuellere Daten liegen im Moment nicht vor. Die Daten sind als Bruttoangaben zu verstehen und stellen die Summe der sieben maßgeblichen Einkommensarten dar (Einkünfte aus selbständiger und nichtselbständiger Arbeit, Einkünfte aus Kapitalvermögen, aus Mieten und Pachten, aus Gewerbebetriebe, aus Land- und Forstwirtschaft und Spekulationsgewinne).

Das Vermögen in Deutschland ist extrem ungleich verteilt. Einige weinige tausend Superreiche teilen sich 60% des gesamten Vermögens. Diese Schieflage wird Jahr für Jahr gespeist aus einer ebenso extrem ungleichen Einkommensverteilung, die auch im Kreis Wesel zu beobachten ist: Die dreitausend oberen Einkommensbezieher im Kreis Wesel summierten ihre Einkommen im Jahr 2004 auf zusammen 700.000.000 € (700 Mill.) Auf der anderen Seite der Einkommenswelt sieht es ganz anders aus: Zehntausende Steuerpflichtige im Kreis Wesel verdienen wenig oder gar nichts. Selbst in den mittleren Einkommensklassen ist das statistische Gesamteinkommen zwar hoch - aber verteilt auf die große Masse der Steuerpflichtigen wiederum sehr gering. Besonders im Vergleich zu den beiden oberen Einkommensklassen, die ein mehrfaches an Einkommen haben.

Dazu ein Kommentar von Klaus Kubernus-Perscheid (ATTAC Niederrhein):
„Die volle Wucht von HARTZ 4, die massiven Reallohnsenkungen der Jahre 2005 bis 2007 und die verfehlte Steuer- und Rentenpolitik der letzten beiden Jahre, sind in den vorliegenden Daten noch nicht einmal berücksichtigt. Es ist also zu befürchten, dass inzwischen die wirkliche Lage im Kreis Wesel noch wesentlich schlechter aussieht. So ist es bedrückend und eine Schande, dass der Tagessatz eines „HARTZ 4 - Kindes“ für Essen, Kleidung, Erziehung und Freizeit 2,29 € beträgt. Was nutzen beachtliche Unternehmensgewinne, offiziell sinkende Arbeitslosenzahlen, wenn die Mehrzahl der neuen Jobs aus Leiharbeit, Ein-Euro- oder Minijobs besteht und die staatliche Unterstützung für arme Familien über Jahre durch die Inflation entwertet wird."

Die sozialen und ökologischen Probleme in Deutschland und weltweit werden durch eine forcierte kapitalistische Politik größer nicht kleiner. Die Gesellschaft und Politik muss endlich umsteuern! Zwei konkrete Schritte dazu: Erstens Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, die seit 1997 nicht mehr existiert. Zweitens Einführung einer Börseumsatzsteuer, wie sie zum Beispiel in den beiden Finanzzentren dieser Welt London und NewYork bestehen. Nur diese beiden Maßnahmen würden kurzfristig jährlich mehrere Milliarden Euro bringen. Grundsätzlich wird Deutschland jedes Jahr um 600 Milliarden € reicher. Wo bleibt das Geld, wenn die öffentliche Hand kaum ihre Finanzen im Griff bekommt und die Schicht der Armen in unserer Gesellschaft größer werden und die Mittelschicht schmilzt?

Ansprechpartner für dieses Presseinfo: Ingo Kübler | ingo-kuebler@t-online.de | 0151-16144577

 

Reich und Arm im Kreis Kleve

Spaltung der Gesellschaft noch extremer als im Kreis Wesel

Das globalisierungskritische Bündnis ATTAC Niederrhein analysiert anhand der neusten Zahlen die Verteilung der Einkommen im Kreis Kleve. Das Ergebnis ist, dass auch am linken Niederrhein die Schere zwischen Reich und Arm zunehmend größer wird, d.h. zwei gesellschaftliche Gruppen wachsen: sehr Reiche und sehr Arme. Bemerkenswert ist, dass die Extreme zwischen Arm und Reich im Kreis Kleve noch extremer sind als im Kreis Wesel. Die vorgelegten Zahlen unterstreichen auch die Notwendigkeit der Initiative für ein „Sozialticket Niederrhein.“[siehe auch die Grafik als beigefügte Anlage!]

Vorbemerkung: Die aktuell vorliegenden Daten zur Einkommensentwicklung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik stellen keine Stichprobe oder Hochrechnung dar, wie die aktuell viel diskutierten Armut- und Reichtumsberichte, sondern beruhen auf die tatsächlichen Daten der Finanzämter. Die Aufbereitung dieser Daten ist zwar sehr aufwändig, dafür aber besonders verlässlich. Insbesondere auch, weil bei der aktuellen Auswertung für das Jahr 2004 erstmalig die sog. Elektronischen Lohnsteuerbescheinigungen erfasst werden konnten, d.h. die berücksichtigte Zahl der Steuerpflichtigen konnte erweitet, deren Angaben präziser ermittelt werden. Genauere oder aktuellere Daten liegen im Moment nicht vor. Die Daten sind als Bruttoangaben zu verstehen und stellen die Summe der sieben maßgeblichen Einkommensarten dar (Einkünfte aus selbständiger und nichtselbständiger Arbeit, Einkünfte aus Kapitalvermögen, aus Mieten und Pachten, aus Gewerbebetriebe, aus Land- und Forstwirtschaft und Spekulationsgewinne).

Die Einkommen im Kreis Kleve sind dramatisch ungleich verteilt. Während am unteren Ende 7.365 Steuerpflichtige ein Jahreseinkommen von minus 25 Millionen € haben, summieren sich am oberen Ende als Jahreseinkommen 214 Millionen € auf 366 Superreiche. Im Durchschnitt berechnet bedeutet dies, dass in der untersten Einkommensklasse das Jahreseinkommen bei minus 3.497 € liegt, in der obersten Einkommensklasse bei plus 584.456 Euro! Selbst wenn man die unteren drei Einkommensklassen zusammenzählt, sprich das Jahreseinkommen von 43.422 Arme und Geringverdiener, ist das addierte Einkommen der lediglich 366 Superreichen fast dreimal so hoch.

Erstaunlich ist auch, dass im Kreis Kleve die Superreichen durchschnittliche nochmals 100.000 € mehr Jahreseinkommen haben als die gleiche Gruppe im Kreis Wesel. Das durchschnittliche negative Einkommen der Armen im Kreis Kleve ist nochmals um 1.500 € negativer als das der vergleichbaren Gruppe im Kreis Wesel. Aber selbst in den mittleren Einkommensklassen ist das statistische Gesamteinkommen zwar hoch, aber verteilt auf die große Masse der Steuerpflichtigen im Schnitt gesehen wiederum sehr gering. Hierbei unterscheiden sich die Zahlen zum Kreis Wesel nur marginal (alle Daten zum Kreis Wesel auf www.attac-niederrhein.de - Klick auf „Niederrhein global“).

Dazu ein Kommentar von Klaus Kubernus-Perscheid (ATTAC Niederrhein):
„Beachtliche Unternehmensgewinne, offiziell statistisch gesenkte Arbeitslosenzahlen nutzen nichts, wenn die Mehrzahl der neuen Jobs aus Leiharbeit, Ein-Euro- oder Minijobs besteht und die staatliche Unterstützung für arme Familien erst gekürzt und zusätzlich noch durch die Inflation über Jahre entwertet wird. Eine verfehlte Renten- und Steuerpolitik kommt dann noch dazu, so dass das heutige Ausmaß der Armut im Jahre 2008 in den Kreisen Kleve & Wesel noch wesentlich höher sein wird. Deshalb ist ein Umsteuern der Politik unbedingt notwendig. Das gilt auch für die Kommunalpolitik. Ein erster Schritt wäre hierfür die Einführung eines „Sozialticket Niederrhein“, wie es in anderen Kommunen schon gibt.“

Ansprechpartner für dieses Presseinfo: Ingo Kübler | ingo-kuebler@t-online.de | 0151-16144577

 

Weitere Einzelartikel:

    Die BENQ Pleite von Markus Grolms (12/2007)

Hier gibt es den Reader (alt) zum Download

 

Letzte Bearbeitung: 23.12.2008